Ateliergeschichten: Ein Ding ist ein Ding

Letztens fragte meine Tochter, ob wir uns in der neuen Wohnung dann auch neu einrichten, oder weiter in unseren 90 er Möbeln leben wollen.

Fand ich nicht witzig.

Erstens kostet es richtig viel Geld, sich komplett neu einzurichten, wenn man das über I..a - niveau macht, zweitens mag ich meine 90 er Möbel, und drittens ist für mich ein guter Einrichtungsstil ein Mix aus älteren und neueren Möbeln und kein durchgestyltes, alles aufeinander abgestimmtes Ambiente, wie im Möbelhaus.

Vielleicht versteht man ja mit 21 noch nicht, dass man an Dingen hängen kann, gerade wenn man sie schon lange hat.

 

Schon seit ein paar Jahren scheint die Generation Y auf "mid-century" Möbel zu stehen.

Keine hippe Einrichtungszeitschrift kommt ohne Mimimis aus, die ihr cooles Appartment in Stockholm, Barcelona oder Berlin einrichten, wie einst ihre Omis. "String"- Regale, wo man auch hinschaut. Aber alle so individuell !

Ne Danke, ich will nicht so wohnen, wie Schwiegerelterns vor 40 Jahren. Mit einer Generation dazwischen, geht das vielleicht schon wieder.

Als ich um die 20 war, war es angesagt, Bauernschränke ins Zimmer zu stellen. Auch ich habe im Schweiße meines Angesichts, mit viel Chemie, einen ollen Schrank abgebeizt.

Dann kam die Ikea - phase und in den Neunzigern stand ich auf Thonet und Ligne Roset, es hätte schlimmer kommen können.

Ich bereue es nicht, in hochwertige Stühle, Tisch, Regale und Polstermöbel investiert zu haben - Qualität altert würdevoll.

 

Apropo - das Klavier musste gestern leider gehen.

Es hat in über 100 Jahren bestimmt auch einiges erlebt - aber jetzt ist Schluss. Wenn mir das ein bisschen leid tut, dann ist das auch gut, denn so etwas sollte einem nicht egal sein.

Man kann zu den Dingen eine Beziehung haben, und dann kann es auch weh tun, wenn die endet.

Zum Glück habe ich noch viele andere Dinge, die mir wichtig sind, und die mitkommen.

Grundsätzlich finde ich es erstrebenswert, dass Dinge eine Bedeutung haben - Möbel, Kleidung, Bücher, CDs, Geschirr...,

für die, die sie herstellen, und für die, die sie kaufen.

Ich habe ja auch den Anspruch an meine Arbeiten, dass sie nicht beliebig sind, sondern meine Handschrift tragen, und dass genau das jemandem gefällt.

Vielleicht hat man nur bei den Dingen, mit denen man sich umgibt, die Wahl...

 

Nachdem ich in letzter Zeit so viel entsorgt habe, nehme ich mir für die Zukunft vor, noch mehr darüber nachzudenken, ob ich etwas wirklich haben möchte, ob etwas zu mir passt.

Ich denke, ich sollte diesen 90 er Couchtisch rausschmeißen und mir was schönes Neues suchen....

gefällt dann vielleicht auch der Tochter.

 


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